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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 27.06.2016
VVN/BdA Augsburg - Pfarrer Metzger

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 WIDERSTAND im DRITTEN REICH

 Dr. Max Josef Metzger (Bruder Paulus)

 
* 3.2.1887
hingerichtet am 17. April 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden

Max Josef Metzger stammte aus Schopfheim im Schwarzwald, wo er am 3. Februar 1887 als Lehrersohn geboren wurde. 1911 empfing er in Freiburg im Breisgau die Priesterweihe. Als junger Kaplan, Neuerungen aufgeschlossen und der Idee einer urchristlichen Erneuerung der katholischen Kirche, arbeitete er zunächst in Karlsruhe, 1912 bis 1914 in Mannheim und dann bis zum Beginn des ersten Weltkrieges in Oberhausen. Freiwillig meldete er sich als Militärgeistlicher wohl den patriotischen Aufrufen der Vorgesetzten wie seiner Erziehung folgend. "Das Erlebnis an der Front und hinter ihr befestigte in mir die Überzeugung, daß nur eine echte Friedensorganisation der Welt dem wahren Volksinteresse entspreche.“ (vor dem Volksgerichtshof 1943)

1915 ging er nach Graz als Generalsekretär des „Katholischen Kreuzbündnis Österreichs“ wo er 1917 ein zwölf Punkte Friedensprogramm konzipierte, das den Frieden erreichen und bewahren und soziale Verbesserungen bringen sollte. Die Verbreitung wurde durch die Militärbehörden verboten. 1917 Gründung des Friedensbundes Deutscher Katholiken.
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Dr. Max Josef Metzger war ein begeisterter Esperantist

Artikel über ihn in Esperanto
>>

Erinnerungsveranstaltungen

Gedenkfeier 17.4.2015
Ca. 20 Personen kamen zur Gedenkveranstaltung an Dr. Max Josef Metzger. Der Regen machte es diesmal notwendig die Bedachung bei den Steinen aus der Römerzeit auf dem Domplatz zu nutzen. Die Aktualität der Friedensgedanken von Metzger und sein Einsatz für Esperanto wurden gewürdigt, musikalisch und mit einem Gedicht von Metzger durch die Jugend begleitet.

In neuem Glanz steht seit April 2013 die restaurierte Stele vor dem Dom.
Die Inschrift links steht auf der
linken Seite der Stele.

Gedenkfeier 17.4.2014

Ca. 30 Personen kamen zur Gedenkveranstaltung an Dr. Max Josef Metzgers. Am Anschluss an die Erinnerungsrede über Metzger, den Beginn des ersten Weltkriegs und dem aktuellen Bezug zu den Geschehnissen in der Ukraine stellt Esperantogruppe Augsburg ihre Broschüre über Metzger und sein Engagement für Esperanto vor.

Gedenkfeier 17.4.2013

Rund 40 Menschen nahmen an der Einweihung der neu restaurierten Stele für Pfarrer Dr. M.J. Metzger durch Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa teil.

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Gedenkfeier 17.4.2012

Rund 60 Menschen gedachten dem am 17.4.1944 durch die Nazis ermordeten Priester. Unter ihnen eine Schülergruppe aus Meitingen die aus den letzten Aufzeichnungen vor der Ermordung von Dr. Metzger Zitate vortrugen.

12.11.2012: Stolpersteinverlegung in Meitingen

Vor dem Christkönigs-Institut wurde zu Erinnerung an Pfarrer Metzger ein Stolperstein in den Gehweg eingelassen. Gleichzeitig zwei weitere Stolpersteine die an Michael Lerpscher und Josef Ruf, die eine zeitlang in Meitingen lebten und Mitglieder des Christkönigs-Instituts waren. Alle drei wurden von den Nazis hingerichtet.

Information Markt Meitingen >>
Nur mit dem Herzen soll man über diese Steine Stolpern (AZ-online 12.11.2012 >>)

Gedenkfeier 17.4.2011

Herbert Quis erinnerte an das Schaffen von M.J. Metzger und seinen tiefen Pazifismus.

Als seiner Zeit voraus war der Querdenker in den eigenen Reihen störend und wurde schließlich von den Nazis ermordet. Seine Gedanken und Vorstellungen konnten die Nazis aber nicht vernichten. Diese Positionen sind noch heute aktuell und sollten den heutigen Querdenkern Mut machen auch wenn diese nicht für alle Widersprüche in unserer Gesellschaft einfache Lösungen anbieten können.

Gedenkfeier 17.4.2010

Schüler der Dr.-Max-Josef-Metzger-Realschule in Meitingen beschäftigen sich mit dem Leben von Dr. Max Josef Metzger und schrieben ein kleines Stück. Dies führten sie im Rahmen der Gedenkfeier zum 66 Jahrestag der Hinrichtung von "Bruder Paulus" durch die Nazis auf. Ein dickes Lob an das Engagement der Schüler und ihres Lehres. (rechtes Bild)

Die Vertreterin der bayer. Esperanto-Liga erinnert an den Einsatz von Metzger für eine gemeinsame Sprache

27.2.2010: Im Rahmen des Kundgebungszuges "Straße der Erinnerung" fanden sich ca. 600 Teilnehmer vor der Stele von Pfarrer Metzger ein.
Herbert Quis von pax christi sprach über das Schicksal von Metzger.

Die Rede als pdf-Datei >>

Gedenkfeier 17.4.2009
ca. 90 Menschen gedachten dem 65. Jahrestag der Hinrichtung von "Bruder Paulus" durch die Nazis. Anschließend wurde im Thalia-Kino ein Film von Josef Gogl über das Leben von Pfarrer Metzger gezeigt.

Weitere Infos >>

Gedenkfeier 17.4.2008
In den Händen die makabre Kostenrechnung (Bild Mitte anklicken)
  

 

 

 

Fotos: J. M. Ipfelkofer

Gedenkfeier 17.4.1998:
Redner Herbert Quis,

in der Mitte Anna Pröll, ganz rechts Franz Meisl






















Foto: A.Lode
Zum Leben von Dr. Metzger (Fortsetzung)

Dem „lebendigen humanistischen Gewissen“ Dr. Metzgers entsprang das weitere Eintreten für Pazifismus und Antimilitarismus mit dem Ziel einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Hierin berührten sich Aktionen der Arbeiterbewegung (Abrüstung, gegen Militarisierung des öffentlichen Lebens, Umgestaltung der Gesellschaft durch Beseitigung des Kapitalismus etc.) mit Auffassungen Dr. Metzgers.

Im Gegensatz hierzu der höhere Klerus von Graz, der in mehr und mehr bremste und darauf drängte, dass Dr. Metzger abberufen wird. 1927 kehrte Dr. Metzger nach Deutschland zurück und siedelte 1928 nach Meitingen.

Dort war er innerhalb der „Christkönigsgesellschaft“, der die Trinkerheilstätte St. Johannesheim von der Diözese Augsburg übertragen wurde, tätig – nicht frei sondern unter Überwachung durch die Diözese bzw. dem Ordinariat Freiburg. Die Zentrale der Gesellschaft, ab 1929 als Genossenschaft anerkannt, wurde von Dr. Metzger in der folgenden Zeit nach Meitigen verlegt. Nach Satzung und Aufgaben hatte die Gesellschaft den Charakter eines Säkularinstituts.

Trotz bischöflicher Auflagenwurde Dr. Metzger wieder in der Friedensbewegung aktiv. „Das ganze gottverlassene System der Wirtschaft von heute mit ihrer schrankenlosen und gewissenlosen Profitgier führt, ohne daß es dem Einzelnen meist zu Bewußtsein kommt, fast zwangsläufig einmal zu der Katastrophe des Krieges.“ (1930)

1932 veröffentlichte Dr. Metzger einen Artikel gegen die nazistische Judenhetze und stand ab 1933 abseits der Auffassung der deutschen Bischöfe. Diese erkannten am 28.3.1933 das neue Regime feierlich an, ermahnten die katholischen Gläubigen zu treuer und gewissenhafter Erfüllung der Staatsbürgerpflichten und untersagten ihnen jegliches rechtswidrige Verhalten. Er formulierte 1934 „Die Kirche muß sich zur Wehr setzen, wo man die Macht zum Götzen erhebt, wo man den Frieden zwischen den Völkern durch rohe Gewaltpolitik gefährdet, wo man den Staat zur Quelle allen Rechtes macht und fremde Rechte nur insoweit gelten läßt, als sie dem eigenen Volke keine Opfer zumuten.“ – eine Kampfansage gegen das Naziregime.

Dr. Metzger wurde am 23.1.1934 erstmals verhaftet und saß 4 Tage im Gefängnis „Am Katzenstadel“ in „Schutzhaft“. Es folgten 1935 und 1937 das Verbot der Zeitschriften „Christkönigsbote“ und „Alleluja“, 1939/40 die entschädigungslose Enteignung von Heimen in Graz, Brno, Unternannowitz und Buchenhorst. Aufgrund der Saktionen wandte er sich zunächst stärker der geistlichen Tätigkeit zu – vor allem der Einigung der Christen.

1939 Bildung einer ökumenischen Gesprächsrunde, diese wird von offiziellen kirchlichen Kreisen nicht anerkannt - trotz hochrangiger Mitglieder (wie Gregor Lang, Pastor Ellwein, Jesuit Alfred Delp). Die zweite Verhaftung erfolgte am 9.11.1939, einen Tag nach dem Attentat auf Hitler in München. Ohne Nennung des Haftgrundes wurde er vier Wochen später entlassen.

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Stele bis 2013 vor dem Augsburger Dom
(Photomontage: Der Aufdruck an der Seite wurde zur besseren Lesbarkeit nach vorne versetzt)

Im Frühjahr 1943 verfasste er ein Friedensmanifest für ein zukünftiges Deutschland nach der Zerschlagung des faschistischen Joches. Dieses Memorandum sollte durch eine Vertraute, Dagmar Irmgart, über Schweden nach Großbritannien gesendet werden – das Tragische, sie war seit 1941 Agentin der Gestapo. Am 29.6.1943 erfolgte die dritte Verhaftung. Niederschmetterndes Gutachten seines Bischofs in Freiburg (Außenseiter, Nörgler). Die Verhandlung wegen Hochverrates fand am 14. 10 1943 in Berlin statt und endete nach einer Stunde und zehn Minuten mit der Todesstrafe – der Richter: Dr. Roland Freisler.

“Es überkam mich ein Gefühl stolzer Verachtung als ich das Todesurteil hörte. Ich wußte, daß es keine Schande, sondern eine Ehre war, von einem solchen Gericht „ehrlos“ erklärt zu werden.“
Am 17.4.1944 wurde Pfarrer Metzger in Brandenburg-Görden hingerichtet.
Im April 1968 Exhumierung der Gebeine und Überführung von Berlin auf den Ortsfriedhof Meitingen.

Bis zur Aufstellung der Stele am Dom vergingen Jahrzehnte (Enthüllung am 7.10.1973) vor allem durch den Widerstand der katholischen Kirche in Augsburg die gegen eine Errichtung des Gedenksteins war. Die Büste wurde von Prof. Hans Ladner - Kunstakademie München geschaffen.

Seither findet dort jährlich zum Todestag eine Gedenkveranstaltung statt.

Auf Antrag des katholischen Erzbistums Berlin wurde 1997 das Todesurteil des »Volksgerichtshofes« gegen Max Josef Metzger vom Berliner Landgericht aufgehoben.

 

 

 

Gedenkfeier von Pax Christi 2007

Texte

Wann kommst Du, Herr, mit Deiner Macht,
die Feinde zu verjagen?
Zünd an die Fackel in der Nacht
und laß es endlich tagen !
Mit starker Hand schlag an das Tor
des Kerkers dieser Erde !
Tritt selbst als Führer dann hervor,
als Hirte Deiner Herde !
Der Menschheit Amme ist die Not
des Leibes und der Seele,
Ihr letztes Lebensziel der Tod.
Er würget aller Kehle.
Wir sterben all am grimmen Krieg.
Es will kein Ende werden.
Herr, zieh das Schwert! Führ Du zum Sieg
den Frieden auf der Erden!
Zerschlag des Unrechts Allgewalt,
des Hasses und der Fehde!
Gebeut' dem bösen Feinde Halt
und aller Lügenrede!
Dein Reich! Das ist das allermeist!
Herr, schaff es uns hinieden!
Die Freiheit ist nur, wo Dein Geist!
Nur Liebe zeugt den Frieden!

Im Zuchthaus Brandenburg geschrieben

Quelle: Schlösser Manfred: An den Wind geschrieben - Lyrik der Freiheit 1933-1945, München 1962, S. 52

 

“Was weiß die christliche Welt
von diesem ganz seltenen Menschen, -
von seinem Kämpferleben und seinem Märtyrertod?
Nur wenige wissen,
daß er der Gründer der
Una-Sancta-Bewegung gewesen ist,
daß er ebenso
wie für den Frieden unter den Konfessionen,
so auch für den Frieden unter den Völkern,
für den Weltfrieden und die Völkerversöhnung,
für soziale Gerechtigkeit
und für Achtung der Menschenwürde
gekämpft und sein Leben geopfert hat...“

Gefangenenseelsorger Peter Buchholz über M.J. Metzger

 

 

 

Erinnerungsorte
Straßennamen Dr.-Max-Josef-Metzger-Schule Staatliche Realschule Meitingen >>
Dr.-Metzger-Straße in Meitingen
Max-Josef-Metzger-Straße in Augsburg-Pfersee
Max-Josef-Metzger-Straße in Magdeburg
Max-Josef-Metzger-Straße in Brandenburg an der Havel
Max-Josef-Metzger-Straße in Freiburg
Max-Josef Metzger-Platz in Berlin


Augsburg-Pfersee

Stolperstein

in Meitingen - Verlegung am 12.11.2012

Nur mit dem Herzen soll man über diese Steine Stolpern
(AZ-online 12.11.2012 >>)

Gedenktafeln Meitingen
vor dem Christkönigs-Institut
St.-Wolfgang-Str. 14

Magdeburg
Max-Josef-Metzger Straße

 

 

Bild-Quelle: wikipedia

Berlin-Wedding
Max-Josef Metzger-Platz

 

 

Graz
Karmeliterplatz

Weitere Informationen

Zeitungsartikel
Sein Engagement ist eine Mahnung AZ 19.4.1993 >>
Zeugnis für den Frieden Kath.Sonntagszeitung 2003 (Bild rechts anklicken)

Literatur
Denzler Georg, Fabricius Volker (Hg.): Die Kirchen im Dritten Reich. Band 2-Dokumente. Frankfurt/Main 1984
Georg Denzler: Vorkämpfer für Frieden und Ökumene: Priester Max Josef Metzger, in: Ders.: Widerstand ist nicht das richtige Wort. Katholische Priester, Bischöfe und Theologen im Dritten Reich. Zürich 2003, S. 189-208
Freudiger Kerstin: Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen. 2002 >>
Metzger, Max J.: Christuszeuge in einer zerrissenen Welt. Briefe und Dokumente aus der Gefangenschaft 1934-1944. Neuausgabe Freiburg 1991
Putz Ralf: Das Christkönigs-Institut Meitingen und sein Gründer Max Josef Metzger (1887-1944), Hamburg 1998 >>
Altmann, Peter, Brüdigam, Heinz, Mausbach-Bromberger, Barbara u. a.: Der deutsche antifasischtische Widerstand 1933-1945 in Bildern und Dokumenten. Mit sehr zahlreichen Abbildungen. Röderberg 1975
Walter Dirks (Hg.): Die Aufgabe der Christen für den Frieden - Max Josef Metzger und die christliche Friedensarbeit zwischen den Weltkriegen. Freiburg 1987
Esperanto-Sprachclub Augsburg: Dr. Max Josef Metzger und Esperanto, Augsburg 2014 (Bröschüre bei uns erhältlich)


Links
Quickborn-Arbeitskreis >>
Gedenkstätte Deutscher Widerstand >>
Ausstellung von Pax Christi in Freiburg (ausleihbar) >>
wikipedia >>