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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 15.08.2013
VVN-BdA Augsburg - Franz Meisl

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ZEITZEUGEN

 Franz Meisl


*  07.03.1918
† 18.03.2010

Franz Meisl wurde am 7.3.1918 in Augsburg geboren. Aufgewachsen ist er im Stadtteil Oberhausen. Seine Mutter (geb. 1898) war in verschiedenen Textilfabriken beschäftigt - unter anderem in der Buntweberei Riedinger. Sein leiblicher Vater arbeitete im Bergwerk in Peißenberg. Die Eltern heiraten nicht. 1935 heiratete seine Mutter Johann Wagner.
Franz besuchte die Kapellenschule. Zusammen mit seinem Bruder Eduard (er fiel mit 19 Jahren als Infanterist) wird er freireligiös erzogen und muss daher den Religionsunterricht nicht besuchen. Seine Großmutter tritt mit 68 Jahren aus der Kirche aus. Die Mutter ist als Kassiererin in der Roten Hilfe und wie seine Onkel auch in der kommunistischen Partei.
Sein Onkel Franz übersiedelt 1921 als Arbeiter in die Sowjetunion (Moskau). Franz Meisl findet nach dem Volksschulabschluss keine Lehrstelle in Augsburg. Deshalb beschließt seine Mutter ihn 1932 zum Onkel nach Moskau zu schicken. Dieser hatte berichtet, dass Franz dort sicher Arbeit finden kann.
1932 erhält Franz einen Reisepass und die Sondergenehmigung durch das Jugendamt. Zunächst besucht er in Moskau eine deutsche Schule.

Von seinem Onkel erfährt er, dass nach Lenins Tod in der Sowjetunion alles schlechter geworden ist. Von Politik hatte Franz „wenig Wissen“. Unter Deutschen wohnend, kam er zunächst kaum mit Russen in Kontakt. Als der Onkel 1934 einen Zweijahresvertrag in einer Fabrik im ca. 9000 km entfernten Chabarowsk am Amur annimmt, ziehen sie um.
In Chabarowsk wurden alte Autos und Lastwagen repariert. Als dort eine Lehrwerkstätte errichtet wird, beginnt Franz eine Lehre als Mechaniker und später als Dreher.

Sein Onkel kehrt 1936 nach Moskau zurück. Franz bleibt mit seinem Cousin Ludwig in Chabarowsk, wo er inzwischen als Dreher arbeitet.


Franz (links) und Ludwig Bauer unterwegs in Sibirien (1936)
Franz und Martin Löwenberg (2004)
Die russische Sprache lernte er im Umgang mit den Arbeitskollegen. Franz war Arbeiter, politisch betätigte er sich nicht.
1937 kehrt auch er nach Moskau zurück, arbeitet im Moskauer Straßenbahndepot in einer Instandsetzungsfabrik für Baumaschinen und in einem Feinmechanikerbetrieb. Bei der 1. Mai-Kundgebung auf dem Roten Platz ist er dabei....

mehr in der Kurzdokumentation (pdf-Datei 219kByte >>

 

Johanna Corniels und Franz
(Stadtrundfahrt 2004)
Beerdigung 31.3.2010 Westfriedhof

Grabplatte (Urnenfeld im Westfriedhof) 2013

Weitere Informationen

AZ 8.3.2008 Porträt zum 90.ten Geburtstag >>

Literatur

- Interview mit Franz Meisl geführt von Wolfgang Kucera In: Zeitzeugenkoffer des Stadtjugendrings Augsburg - Interviews S. 54 - 70

- Steiner Manfred: Zeitzeugen - Gesichter und Stimmen einer Stadt, Augsburg in der NS-Zeit. Augsburg 2001. S. 101-121