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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 14.05.2012
Katzenstadel

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  Am Katzenstadel 10
KatzenstadelDas Amts- und Landgerichtsgefängniss am Katzenstadel wurde ab 1891 erbaut.
Hierzu wurde auch der Judenwall abgetragen. Nach der Machterüber-tragung an die Nationalsozialisten wurde hieraus das Gestapogefängnis. Bei einem Bombenangriff wurde das Gebäude 1944 zerstört.

Nach dem Krieg wurde an dieser Stelle eine Verwaltungsgebäude errichtet, an der Blaue Kappe 18. Zunächst war dort die LVA untergebracht, jetzt ist es ein städtisches Verwaltungsgebäude (u.a. Ordnungsamt, Bürgerbüro Stadtmitte). 
Katzenstadel
 Foto: Stadt Augsburg / Fotolabor
Das ehemalige Gestapo-Gefängnis "Am Katzenstadel"
Lageplan

Lageplan um 1925 (zum Vergrössern anklicken)
Verwaltungsgebäudeheutiges Verwaltungsgebäude
Im März 1933 wurden die ersten 68, in sogenannte "Schutzhaft genommene Personen" ins Gestapogefängnis gebracht. Zynisch berichtete die "Neue Nationalzeitung" (NNZ) unter der Überschrift "Roter Parteitag im Katzenstadel" von den Verhaftungen. Unter Ihnen Johann Aechter. Inhaftiert wurden zuerst Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, später Stadträte der Bayer. Volkspartei sowie christliche Gewerkschafter. Die zweite Verhaftungswelle fand am 22./23. März statt. Die Liste in der NNZ unter der Überschrift "Hochkonjunktur im Katzenstadel - Der Wallfahrtsort der Linken" umfaßt 51 Personen. Am Ende der Liste: "Fortsetzung folgt". Neben den meist der KPD angehörenden Personen wurden auch Funktionäre der SPD wie Clemens H ögg, Bürgermeister Friedrich Ackermann oder Rechtsanwalt Stefan Oberbrunner verhaftet.

In der Arbeiterstadt Augsburg war der Widerstand gegen die Nazis wesentlich stärker als in München (vor allem im Viertel Links der Wertach und in Lechhausen).
Bericht der SOPADE 1936: „Es herrscht in Augsburg eine viel dickere Luft als in München. In Augsburg ist der Druck des Militär-und Polizeiapparates auf Schritt und Tritt spürbar. Die ganze Atmosphäre dieser Stadt atmet Zwangsstaat und Zuchthaus."
Sogar die offizielle Neue Nationalsozialistische Zeitung musste 18 Monate nach der Machtergreifung zugeben: „Dem aufmerksamen Beobachter bei einem Rundgang durch die Stadt wird es sicher nicht entgehen, dass hin und wieder ein „Zivilist" den schüchternen Versuch macht, mit der rechten Hand in die Höhe zu stechen. Dazu murmelt er etwas Unverständliches ...Wie kommt es nun, dass in Augsburg der deutsche Gruß so wenig angewendet wird?“
Es gibt auch einen ähnlichen Artikel über die Augsburger, die zu sparsam seien, um Hakenkreuzfahnen zu kaufen.


Das Wahlergebnis in Augsburg am 5. 3. 1933:
NSDAP 32.3% (23%)
BVP 27.1% (28.3%)
SPD 23% (25%)
KPD 10,2% (14,6%)
letztere trotz vieler Verhaftungen

Nach den Wahlen gab es eine große Verhaftungswelle, wovon jetzt viele Sozialdemokraten betroffen waren.

Unverschämter Artikel in der NNZ:
„Wieder haben sich Agitatoren...im Katzenstadel gemeldet, um dort Urlaub zu machen... Was Wunder, wenn in den letzten Tagen geradezu eine Völkerwanderung nach dem herrlich gelegenen Katzenstadel einsetzt, wo das Rauschen der Bäume und der Sang der Vögel in die verschwiegensten Winkel dringt und lauschige Kemenaten zu romantischer Schwärmerei einladen...Doch was sollen wir weiter Propaganda machen für ein Unternehmen, das an sich dem Ansturm der Erholungsbedürftigen kaum mehr gewachsen ist! - Nachstehende Personen wurden am 24. und 25. Mai in Schutzhaft genommen“ (es folgt eine lange Reihe von Namen, darunter Franz Adlhoch, Gewerkschaftssekretär).

NNZ

Weitere Überschriften in der NNZ

Hochkonjunktur im Katzenstadel - Der Wallfahrstsort der Linken
"Von Wallfahrten wollten S.P.D. und Kommunisten zwar nie etwas wissen, aber jetzt bequemen sie sich doch, reumütig und ergeben nach dem Katzenstadel zu wallfahren....." (51 Namen)

Roter Parteitag im Katzenstadel - Die erste Liste der bisher in Schutzhaft genommenen Augsburger Marxisten (88 Namen)

Im Katzenstadel war Platz für etwa 500 Gefangene, es wurden Gefangene in andere Gefängnisse im Bezirk Schwaben, wie Aichach und Neudeck eingewiesen, um im Katzenstadel Platz für eine neue Verhaftungswelle zu schaffen. Dazu ein Schreiben des Gefängnisdirektors aus Eichstätt:
„Wegen Überfüllung der Augsburger Gefängnisse mussten in den Monaten April und Mai (1933) 100 Schutzgefangene vorübergehend im Gerichtsgefängnis Eichstätt untergebracht werden“....Er stellt der Regierung von Schwaben nun eine Rechnung über 150 Reichsmark für die Leihgebühr für 100 Strohsäcke, Kopfpolster und Leintücher, 200 Wolldecken und Essbestecke.

Am 23. März wurde das KZ Dachau eröffnet, bis zum Jahresende 1933 gab es in Deutschland mehr als 100 KZs mit über 150 000 Insassen. 1933 waren 578 Augsburger in das KZ Dachau eingeliefert worden. Ab 1934/35 wurden die Widerstandsgruppen gemeinsam angeklagt und vor Gericht gestellt. Die Verhandlungen fanden meistens in München statt, wegen der Zusammenarbeit mit dem Widerstand in München.

Heute erinnert eine Gedenktafel an die Verhafteten Gegner des Naziregimes (An der Blauen Kappe 18)

 Gedenktafel
Gedenktafel Gedenktafel
Gedenktafel
Kratzniederlegung zum Gedenken an die Inhaftierten (2006)

DokumentationLiteratur:
IGM Verwaltungsstelle Augsburg (Hg.): Die alten und neuen Herren - Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Augsburg 1933-1954
. AV-Verlag Augsburg 1988. Liste ausleihbarer Bücher Nr. 33
"Am Katzenstadel" nach der Zerstörung Foto >>

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