Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 10.11.2021
VVN-BdA Augsburg - Bebo Wager

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Josef (Bebo) Wager  
WIDERSTAND im DRITTEN REICH
               
  Josef (Bebo) Wager wurde am 29.12.1905 in Augsburg geboren. Seine Eltern Josef und Emma Wager, geb. Gellinger. Sein Vater ist aufgrund einer Kriegsverletzung im 1. Weltkrieg aus erwerbsunfähig.    
     
  Nach den Schuljahren beginnt er eine Lehre als Eisendreher in der Firma L.A. Riedinger in Augsburg. Nach der Lehre geht er 1927 als Dreher zur MAN und bildet sich weiter zum Elektromaschinenbauer. Ab 1929 arbeitet bei der MAN in diesem Beruf.    
     
  Er heiratet 1928 Lina Wager, geb. Opalka. Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor (1929,1931,1942) Lina Wager wurde am 20.1.1905 in Speyer geboren    
*  29.12.1905
 † 12.08.1943
  1923 tritt er in dier SPD und in die Sozialistische Arbeiterjugend sowie in den Metallarbeiterverband ein. Er wird SPD-Ortsgruppenleiter für den Bezirk der Jakobervorstadt, uns ist im Jugendausschuß der SPD.    
     
    Im Juni 1933 gründete er in Gemeinschaft mit Freunden aus den ehemaligen Jugend-, Sport- und Bildungsverbänden der verbotenen sozialdemokratischen Partei in Augsburg, Kempten, Ulm, Günzburg und anderen Städten Schwabens eine Kampfgruppe, die sich später „Revolutionäre Sozialisten“ nannte. Er sorgte neun Jahre lang für den Zusammenhalt und die permanente Rebellion von Hunderten in Südbayern und Österreich, die kompromißlose Gegner der Gleichschaltung geblieben waren.    
       
       
    Am 12. April 1942 wurde er verhaftet, am 27. Mai 1943 vom Volksgerichthof in Innsbruck zum Tode verurteilt, am 12. August 1943 im Gefängnis Stadelheim in München hingerichtet und im Friedhof Perlacher Forst mit Hermann Frieb (Haupt der illegalen Sozialdemokratie in München) begraben.    
       
Abschiedsbriefe Bebo Wagers an seine Frau und an seine Kinder (München, den 12.8.43)   “Meine Lieben! Nun muß ich doch den Weg bis zum letzten Ende gehen. Ich habe euer Bild vor mir und es ist unendlich schwer, in den Gedanken an Euch zu scheiden. Liebe Lina! Treu bist Du mir 15 Jahre lang zur Seite gestanden. Manchmal war’s schwer, aber Du hast immer mutig alles mit mir getragen. Hab tausendmal Dank; in dieses eine Wort sei Dir alles gelegt, was ich Dir in den letzten Stunden sagen möchte. Liebe! sei nun tapfer und trage auch das Letzte mit Mut, halte mich in gutem Gedanken und wenn das Schwere überwunden ist, hoffe ich auch für Dich Glück und Frieden. Sei tapfer um unser Kinder willen, wie auch ich versuchen will, tapfer für meine Ideen zu sterben. Möge Dir und unseren Kindern alles Gute erblühen, was ich erstrebt habe und für das ich auch an mir selbst gearbeitet habe. Deinen Eltern, Deinem guten Vater und Deiner guten Mutter, dem treuen Willy, Roni und Lydia, ihnen allen Dank für ihre Treue. Auch ihnen meinen letzten Gruß! Du aber mein treuer Lebenskamerad, lebe wohl und sei nochmals herzlich von tiefsten Herzen gegrüßt und geküßt von Deinem Bebo. Letzter Gruß den Verwandten, Rudi und all den andern. Kuß Dir meine Treue. Auch Hermann geht mit mir den gleichen Weg; er war, mir der treueste Kamerad und Freund.“  

“Meine geliebten Kinder, Heinz, Hanna, Helmut!

Kinder! Den tiefsten Schmerz muß ich Euch zufügen. Unendliche Liebe trage ich auf dem letzten Gang in mir. Daß ich nicht als Verbrecher sterbe, brauche ich nicht zu sagen. Daß ich nur Gutes erstrebte. Haltet immer treu zu Eurer unvergleichlichen Mutter; laßt euch leiten auf dem Weg des Guten, werdet gute, brauchbare, tapfere Menschen. Verehrte Eure Mutter, die Großeltern und folgte ihnen willig. Ich weiß, daß Ihr gut seid und das macht mir den Weg leichter. Mein Tod soll Euere Zukunft nicht trüben. Eines möchte ich noch mit auf den Weg geben und auch hierin wird Euch Mama den rechten Weg zeigen, sucht Gott. Nun mein letzter Wunsch, viel Glück auf Euerem Lebensweg. Haltet mich in guter Erinnerung und seid gegrüßt und tausendmal geküßt von Eurem Vater, der nun stirbt für seine Idee. Tausend Küsse und unendliches Glück für Euch alle. In vier Stunden ist es aus -.“

   
       
       
         
         
         
         
         
         
         
         
         
             
    1946 wurde er exhumiert und liegt nun in einem Ehrengrab auf dem Westfriedhof in Augsburg.  
   
         
           
   

       
           
           
           
           
           
           
           
   
Seit 1946 trägt eine Straße in Augsburg-Pfersee
seinen Namen - das Hinweisschild wurde 2021 angebracht
   
Stele auf dem Westfriedhof in Augsburg (1)
   
             
     
   
    Seine Frau verdiente den Unterhalt für ihre Kinder ab 1946 als Damenschneiderin. Ein jahrelanger Kampf mit dem Landesentschädigungsamt beginnt, um wenigstens bescheidene Entschädigungen zu erhalten. Die Hinterbliebenen weiterhin Opfer der NS Diktatur. In den bürokratischen Schreiben der Vater "verstorben" oder "wäre ums Leben gekommen" anstatt "ermordet". Das Unrecht wird bürokratisch fortgeführt.      
             
       
   
           
         
         
         
         
         
       
Eine Gedenkstein mit dem Namen von Bebo Wager und andern Opfern des NS-Regimes auf dem Ehrenhain im Westfriedhof
   
           
               
   
  (1) Das Denkmal wurde zeichnerisch von Bebo Wagers Freund und politischem Kampfgefährten Eugen Nerdinger - der ein anerkannter Bildender Künstler war - entworfen. Der Auftrag ging dann an Josef Müller diesen Entwurf umzusetzen. Der Bildhauer Josef Müller (12.12.1886 - 30.07.1951) hatte sein Atelier im Stadtteil Göggingen. Er war dort bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg künstlerisch tätig. Neben vielen anderen Werken schuf er das Augsburger Artilleriedenkmal, die Pieta für das Gefallenen-Ehrenmal in Göggingen, die Ochsenköpfe für die Stadtmetzg und 1948 die Stele für das Grab von Bebo Wager auf dem Westfriedhof. Über die Aktivitäten von Müller während der Nazizeit ist uns bisher nichts bekannt.    
         
         
         
         
   
Eine Spendenmarke zu 100 Jahre SPD in Augsburg aus dem Jahr 1964 trägt das Porträt von Bebo Wager
     
           
           
   

Gedenkfeier zum 70. Todestag
von Bebo Wager

am 12.8.2013 versammelten sich ca. 40 Menschen vor dem Grabmal Bebo Wagers auf dem Westfriedhof um an seine Ermordung durch die Nazis zu erinnern.
Ulli Bahr erinnerte in ihrer Ansprache an sein Schicksal.

     
         
             
             
     
Die Arbeiterwohlfahrt Augsburg und Schwaben sowie die SPD Augsburg laden jährlich
am 12.8., 17.00 Uhr
zu einer Gedenkveranstaltung am Ehrengrab von Bebo Wager auf dem Westfriedhof ein.
   
       
       
       
           
           
             
       
   
           
           
   

 

 
       
Namensgebung:
• Bebo Wager Haus — Wohneinrichtung der AWO für Menschen mit einem psychischen Handicap
• Bebo-Wager-Schule — Berufsschulen in Augsburg
• Bebo-Wager-Strasse in Pfersee seit 1946
• Bebo-Wager Preis >>
       
   

"BEBO WAGER" (2017)
Zweifarbiger Linoldruck

Druck auf T-shirt >>

   
             
 

Weitere Informationen:
• Kränze für Widerstandskämpfer - zum 60. Todestag von Bebo Wager AZ 13.8.2003 >>
• Bebo Wager Preis erstmals vergeben AZ 29.1.2006 >>
• Gedenkfeier an Bebo Wager AZ 14.8.2007 >>
• Bebo Wager vor 65 Jahren hingerichtet AZ 13.8.2008 >>
• "Haltet mich gut in Erinnerung" AZ 13.8.2009 >>
• Erinnerung an Bebo Wager AZ 13.8.2010 >>

• Bebo Wager - Ein politisches Leben als Arbeiter - VVN-BdA Dokumentation Redebeitrag 12.8.2011 >>

• Wikipedia >>

   
         
   

Quellen
• Göggingen ( Reihe Archivbilder), Hrsg. Gögginger Geschichtskreis, Sutton Verlag 2010.
• Nerdinger, Eugen: Die unterliegen nicht, die für eine große Sache sterben! Fragen und Antworten über Tat, Grund und Bedeutung des Augsburger Widerstandskämpfers Bebo Wager. Augsburg 1965. (*)
• Nerdinger, Eugen: Wagnis des Widerstands - Rede 12.8.1963. Sternheft, Augsburg 1963.(*)
• Nerdinger, Eugen: Bebo Wager ein Vermächtnis. Sternheft, Augsburg 1973.
• Nerdinger, Eugen: Flamme unter Asche. Augsburg 1979. (*)
• Nerdinger, Eugen: Brüder zum Lichte empor - Ein Beitrag zur Geschichte der Augsburger Arbeiterbewegung. Augsburg 1984. (*)
• Leber, Annedore: Das Gewissen entscheidet - Bereiche des deutschen Widerstandes 1933-1945. Frankfurt am Main 1963 (*)

Briefe: aus: Eugen Nerdinger, Flamme unter Asche: Dokumente zu einer Lektion aus den Jahren 1933/ 45, Augsburg 1977, S. 48/ 49. Text leicht verändert. Originale befinden sich im Besitz der Familie Wager

(*) bei uns ausleihbar