Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 2003
Dokumentation

(Bild und Text aus:
Zeitschrift "Das Parlament", Jg. 53(2003), Nr. 20-21)

Treß, Werner, "Wider den undeutschen Geist". Bücherverbrennung 1933. Parthas Verlag. Berlin 2003

"Vor 70 Jahren, am 10. Mai 1933, brannten in vielen Städten in Deutschland die Scheiterhaufen. Noch waren es "nur" Bücher, die auf Anordnung des NS-Regimes den Flammen "übergeben" wurden, aber was Heinrich Heine ahnungsvoll schon hundert Jahre zuvor geschrieben hatte - "wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen" - wurde weitere zehn Jahre später furchtbare Wirklichkeit. Über die Bücherverbrennung ist viel geschrieben und geforscht worden; den gegenwärtigen Wissenstand fasst ein Buch aus dem kleinen, aber gerade bei Zeit- und Kulturgeschichte so rührigen Parthas Verlag in Berlin zusammen.

Der Autor, Zeithistoriker und inzwischen auch Ausstellungsmacher zu diesem Thema, weist eine Kontinuität vom Wartburgfest 1817 zu 1933 entschieden zurück; auf der Wartburg sei es ein spontanes Aufbegehren der Burschenschaften gegen obrigkeitsstaatliche Willkür gewesen, 1933 jedoch eine gezielte, ressentimentsgefadene und über das ganze Reich geplante Aktion. Treß ordnet die Bücherverbrennung in die umfassenderen Maßnahmen an den deutschen Universitäten gegen jüdische Wissenschaftler ein, die vielfach im Sommersemester 1933 schon entlassen wurden oder denen nahegelegt wurde, ihre Vorlesungen abzusagen.

Die Aktionen selbst dokumentiert Treß minutiös am Ablauf in mehreren ,Universitätsstädten, und noch heute wirken die dabei gehaltenen Reden rennomierter Wissenschaftler (von denen viele nach 1945 wieder zu Ansehen gelangten), beschämend. Alle Reden und Aktionen durchzog die Devise "Wider den undeutschen Geist", die in der Folgezeit zunehmend brutaler gegen alle Andersdenkenden befolgt wurde. Dem Buch sind als Anhang die von NS-Leuten zusammengestellten "Schwarzen Listen" beigegeben, nach denen von Studenten und Bibliothekaren die Universitäts- und Stadtbibliotheken durchforscht und ausgeräumt wurden. Inzwischen wirken sie wie ein "Who is Who" des geistigen, des "besseren" Deutschland, wie Thomas Mann seinerzeit formulierte. Heute sind sie, so makaber es klingt, eine ideale "Einführung" in weltoffene, liberale und tolerante Literatur und Wissenschaft der Weimarer Republik. Dem Buch sind viele seltene Aufnahmen beigegeben. Wohl aus Kostengründen ist das Schriftbild unangenehm klein gehalten. Gleichwohl wegen der konzentrierten Information ein wichtiges Buch.

Zum gleichen Thema: Artikel in der Zeitschrift "information", Hg. Studienkreis: Deutscher Widerstand
Nr. 57 (28 Jg./2003) (Einzelheft 5,50 Euro + Versand)
z.B. Elm Ludwig: Zur Geister- und Kulturgeschichte einer Brandstiftung (S. 4-8)