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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisvereinigung Augsburg
Stand: 28.01.2015
VVN/BdA Augsburg - Otto Sauler

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WIDERSTAND im DRITTEN REICH

Otto Sauler


* 26.9.1900
† 1965

Otto Sauler wurde am 26.9.1900 in Augsburg geboren. Sein Vater war Otto Sauler, ein Steindrucker.
Otto machte eine Lehre als Mechaniker. Nach mehrfacher Arbeitslosigkeit war er 1929-1930 in der Schweiz beschäftigt und ab 1934 als Dreher in der Firma MAN tätig. Sein Berufswunsch war immer Förster.
Verheiratet war er mit Josefine Sauler (gestorben ca. 1976), aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

Schon sehr früh, 1919, wurde er Mitglied im freigewerkschaftlichen Metallarbeiterverband (DMV) bis zu dessen Auflösung durch die Nazis 1933. Im Jahr 1929 trat er der Vereinigung der Naturfreunde bei.

Nach der Machtergreifung der Nazis wirkte er in der illegalen sozialdemokratischen Partei den "Revolutionären Sozialisten" mit.

Sein Bruder Alfred Sauler *1912 war Pressephotograph, an der Ostfront eingesetzt und verheiratet mit Regina Sauler geb. Fischer. Alfred Sauler ist 1945 im Kriegsgefangenenlager Brest Litowsk verstorben.

Den Zusammenbruch der Ostfront werteten die Revolutionären Sozialisten als ein Zeichen für das baldige Ende der NS-Herrschaft. Hermann Frieb richtete in seinem Landhaus ein Waffenlager ein, dort fanden auch Schießübungen statt.

Fast zehn Jahre arbeiteten die geheimen Aktionsgruppen in Bayern und Österreich im Untergrund. 1942 schließlich entdeckte sie die Gestapo und verhaftete die meisten von ihnen (etwa 200). Die polizeilichen Ermittlungen, die zur Zerschlagung der Revolutionären Sozialisten führen sollten, nahmen ihren Ausgang in Österreich. Über die Einschleusung eines Spitzels gelang den Nationalsozialisten der Einbruch in den Kreis der Revolutionären Sozialisten. Am 15./16. April 1942 schlug die Gestapo in München und Augsburg zu.

14 Tage Später wurde auch Otto Sauler verhaftet. Er hat mit Hilfe Verwandter Wagers sowie zuverlässiger Bekannter unter ihnen Philipp Schmidt, ein ehemaliger Schulfreund und seit 1933 bei der SA, Waffen und Friebs Schreibmaschine bei seite geschafft (1).

Fünf Monate später am 12. September 1942 erstattete die Gestapo-Leitstelle München gegen die Verhafteten Anzeige wegen Vorbereitung zum Hochverrat beim Generalstaatsanwalt in München. Bebo Wager, Hermann Frieb, seine Mutter Paula Frieb und Otto Sauler wurden an den Volksgerichtshof überwiesen. Wager und Frieb wurden am 27. Mai 1943 von dem in Innsbruck tagenden Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und mit acht weiteren Antifaschisten am 12. August 1943 in München Stadelheim hingerichtet.

Nach Zerschlagung des Nazideutschlands arbeitete Otto Sauler (wahrscheinlich ab 1945) im ehemaligen Landratsamt in der Gögginger Strasse. Er bearbeitete dort Hinterbliebenen- und Waisenrenten. Mit seinem Vater wohnte Otto und Josefine Sauler in einer kleinen Wohnung in der Lindenstr. 22.

Von 1948 - ca. 1953 wächst die Nichte Hiltraud (*1944) bei Otto und Josefine Sauler sowie dem Großvater auf. Laut der Nichte war der Onkel bezüglich seiner Erlebnisse im Nazideutschland sehr verschlossen. Ansonsten beschreibt sie ihren Onkel als sehr netten, naturverbundenen und warmherzigen Menschen. Über den Onkel war nur bekannt, dass er in Innsbruck aus dem Gefängnis geflohen war, bei Freunden unter kam und so die Nazidiktatur überlebte. Über die Gründe der Verurteilung wurde in ihrer Familie später nicht gesprochen.

Bei seinem Schwager Fassold (er war Fahrer des Landrats) konnte er im Bärenkeller eine kleine Bienenzucht betreiben.

1965 verstarb Otto Sauler und wurde im Nordfriedhof beerdigt, das Grab ist heute aufgelöst

Heute erinnert eine Straßenbenennung in Augsburg an Otto Sauler .

 

Sein Bruder Alfred Sauler, *1912 war Pressephotograph, verheiratet mit Regina Sauler geb. Fischer.

Er war an der Ostfront eingesetzt und ist 1945 im Kriegsgefangenenlager Brest Litowsk verstorben
(Bild ca. 1943).

Erinnerungsblatt

Quellen:

  • Hetzer Gerhard: Die Industriestadt Augsburg. Eine Sozialgeschichte der Arbeiteropposition in: Brozat Martin (Hg.): Bayern in der NS-Zeit, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Band 3, Wien 1981
  • Nerdinger Eugen: Flamme unter Asche: Dokumente zu einer Lektion aus den Jahren 1933/ 45, Augsburg 1977
  • Gespräch mit Hiltrud Kremer, geb. Sauler, am 19.10.2011