Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 31.03.2003
Dokumentation
Ehrenbürgerschaft für Anna Pröll (31.3.2003)

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“

(aus dem Schwur von Buchenwald)

 

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten/innen (VVN/BdA) gratuliert unserer Kameradin Anna Pröll zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Augsburg. Ihre Zivilcourage, ihr Engagement für Frieden und Demokratie und nicht zuletzt ihr Auftreten wider das Vergessen war und ist uns Vorbild. Vor 70 Jahren wurde das KZ Dachau (22.3.1933) errichtet. Ein KZ in dem schon bald führende Köpfe des Augsburger Arbeiterwiderstandes eingesperrt wurden und am 17.5.1933, mit der Ermordung von Leonhard Hausmann, das erste Opfer zu beklagen war. Mit der Ehrenbürgerschaft wird in der Person von Anna Pröll auch den Menschen gedacht an deren Seite ihr politischer Werdegang im Widerstand seinen Ausgang nahm und/oder deren Wirken ihr Engagement später beeinflussten. Stellvertretend stehen Namen wie Clemens Högg, Leonhard Hausmann, Valentin Baur, Friedrich Urban, Josef (Bebo) Wager, Paula und Hermann Frieb, Eugen Nerdinger, Otto Sauler, Walburga Koch, Jakob Pesold, Josefa Miller, Josefa Würzinger, Karl Hitzler, Maria Rothkopf, Karl Nolan, Josef Pröll, Alois Pröll, Anna und Josef Weichenberger, Friedrich Wilhelm Pröll, Rosa Rottmaier, Hans Beimler, Hans Adlhoch, Friedrich Schenk, Johann Aechter, Jochan Zahrer, Karl Näher, Josef Baur, Anton Haas, Sepp Wagner, Bartl Hintermayer, Hans Walch, Innozenz Rehm, Dr. Max Josef Metzger.....

Anna Pröll, geb. Nolan wurde in Pfersee im Jahr 1916 geboren. Sie war eine der Initiatorinnen der Gruppe Jugendlicher, die den Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime bereits im Jahre 1933 in Augsburg versuchten. Ihre Ablehnung gegen den Nationalsozialismus und der Entschluß, aktiven Widerstand zu leisten, kam aus der Erfahrung ihrer Familie. Sie mußte mitansehen, wie der Vater, die Mutter, nahestehende Verwandte und Freunde von SA und SS verhaftet, gefoltert und eingesperrt wurden. Noch nicht volljährig überstand Anna Nolan das Frauengefängnis in Aichach (Einzelhaft) und anschließend unter Lebensgefahr das Konzentrationslager Moringen. Insgesamt erlitten Anna und Josef Pröll, ihr späterer Mann, sowie ihre Angehörigen 35 Jahre Haft in Konzentrationslagern.

Das Motto „Aus der Vergangenheit lernen: Erinnern für die Zukunft“ charakterisiert das Wirken von Anna nach 1945 in hervorragende Weise. In den letzten Jahren auch schwerpunktmäßig bei unzähligen, früher verbotenen, Schulklassenbesuchen.