Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 09.11.2015
Dokumentation
 GEDENKORT WESTFRIEDHOF
 FÜR DIE OPFER DES FASCHISMUS
1.11.2015

Ansprache: Miriam Friedmann

Miriam Friedmann
 
Schweigemarsch in Erinnerung an die Opfer des Faschismus

Sie wollen uns nicht

Die Augsburger Patrizier, sie wollen uns nicht.
Wir stören nur.
Der Spießbürger zeigt sein Engagement,
bei Häppchen gedenkt er gerne
und setzt ein betroffenes Gesicht auf.

„Wir tun was!“ hallt es aus dem Goldenen Saal.
Ihr Heuchler!
Die Adlhochs waren mutig, der Adel weniger.
Fugger hätte man gerne wieder,
Mahner aber stören nur.
Denn man kann mit ihnen nicht prahlen.

Erinnerung einfrieren!
Gedenkorte verstecken, 
wie im Augsburger Rathaus 
Gebete,
alles im Stillen.
So ist's gut.

Nazis zündeln  schon  wieder, oder noch immer.
Stolpersteine stören.
Sonntagsreden und Kommissionen beruhigen das Gewissen.
Keine Courage, kein Rückgrat.

Erinnern, so sagen sie, erinnern können wir doch im Vorübergehen.
Wir wollen nicht stolpern, das schmerzt,
wollen unsere Nachbarschaft nicht stören.
Genau wie in der Hauptstadt der Bewegung.

Die Verfolgten sterben aus. Endlich.
Neue Verfolgte brennen schon  wieder.
Oder ertrinken. Das ist gut. Wir wollen sie nicht sehen.

Im Rathaus ein Meer von Krokodilstränen.
70 Jahre Kommissionen
und Verordnungen
und Debatten
und Gesetze.
Heuchelei!

Werdet aufrecht – oder schämt Euch!

Bei der Begrüssung wurde an den 65. Jahrestag der Einweihung des Denkmals auf dem Gedenkhain erinnert und auch an die Übergabe der Gedenkstätte auf dem jüdischen Friedhof an der Haunstetter Straße zur Erinnerung an die „500 Opfer der israelischen Kultusgemeinde Augsburg“ . Diese Gedenkstätte wurde von Dr. Auerbach „dem Schutze der Stadt Augsburg“ übergeben. Ein Gedenkstein auf dem Ehrenhain im Westfriedhof erinnert an die jüdischen KZ-Opfer Arthur Arnold, Falorschek Isaak, Hirschmann Rudolf, Zebrack Josef, Lustig Oskar, Eckhardt Lotte, Levinger Albert, Grossberg Jakob, Oppenheim David und Bruckner Albert. Sie wurden auf dem jüdischen Friedhof bestattet.

 

 

Kritische Betrachtung der Erinnerungskultur in Augsburg (Verfasser anonym 2015)
 
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