Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) - Kreisverband Augsburg
Stand: 15.11.2003
Dokumentation
 GEDENKORT WESTFRIEDHOF
 FÜR DIE OPFER DES FASCHISMUS
1.11.2003
Ansprache: Klaus-Bruno Engelhardt
Auch dieses Jahr trafen sich wieder ca. 50 AntifaschistInnen am Denkmal für die Opfer des Faschismus im Augsburger Westfriedhof.

Begrüssungsansprache:
“Meine geliebten Kinder, Heinz, Hanna, Helmut! Kinder! Den tiefsten Schmerz muß ich Euch zufügen. Unendliche Liebe trage ich auf dem letzten Gang in mir. Daß ich nicht als Verbrecher sterbe, brauche ich nicht zu sagen. Daß ich nur Gutes erstrebte. Haltet immer treu zu Eurer unvergleichlichen Mutter; laßt euch leiten auf dem Weg des Guten, werdet gute, brauchbare, tapfere Menschen. Verehrt Eure Mutter, die Großeltern und folget ihnen willig. Ich weiß, daß Ihr gut seid und das macht mir den Weg leichter. Mein Tod soll Euere Zukunft nicht trüben. Eines möchte ich noch mit auf den Weg geben und auch hierin wird Euch Mama den rechten Weg zeigen, sucht Gott. Nun mein letzter Wunsch, viel Glück auf Euerem Lebensweg. Haltet mich in guter Erinnerung und seid gegrüßt und tausendmal geküßt von Eurem Vater, der nun stirbt für seine Idee. Tausend Küsse und unendliches Glück für Euch alle. In vier Stunden ist es aus -.“ Diese Zeilen wurden vor 60 Jahren geschriebenen. Die Hinrichtung erfolgte am 12. August 1943 in München Stadelheim.
  

Liebe Kameradinnen liebe Kameraden,
Liebe Freunde und Gäste

Der Abschiedsbrief von Bebo Wager steht stellvertretend für viele, die sich aktiv gegen das Terrorsystem des deutschen Faschismus auflehnten und für ihre Idee mit dem Leben bezahlen mußten. Unter Ihnen Leonhard Hausmann (1933 in Dachau ermordet), Innozenz Rehm (1938 durch medizinische Versuche umgebracht), Clemens Högg (Verbleib 1945 ungeklärt), Hans Adlhoch, Pfarrer Dr. Max Josef Metzger (1944 hingerichtet), Paula Frieb, Josefa Miller, Karl Hitzler, Anna Weichenberger, Josef Wittmann, Fritz Pröll.... insgesamt 235 dem faschistischen Terror zum Opfer gefallene Widerstandskämpfer fanden hier ihre letzte Ruhe. Sie sind Opfer aus dem Arbeiterwiderstand wie er in den Gewerkschaften, in den kommunistischen, sozialistischen, sozialdemokratischen und religiösen Organisationen gewachsen war.
Vor 53 Jahren (1950) wurde von der Stadt Augsburg dieses Denkmal für die Opfer in Konzentrationslagern während des deutschen Faschismus erbaut und ist seither ein Ort der Erinnerung. Zum einen an die Opfer die ihr Leben in dem Terrorsystem des faschistischen Deutschlands lassen mußten, an ihre Ideen und Ideale eines friedlichen Zusammenlebens der Menschen – ein Ort der Erinnerung für die Zukunft.

Zum anderen ist er der Ort der Gedanken an die Zukunft, an eine Zukunft ohne rassistische, antisemitistische und/oder neofaschistische Politik. Die Gedenkstunde heute soll uns gleichzeitig zusammenführen in der gemeinsamen Anstrengung für eine solidarische und friedliche Zukunft – der Wind der uns entgegen weht wird kälter. So sollten wir uns immer wieder an die Opfer erinnern und im Sinne der nachfolgenden Sätze aus dem Schwur von Buchenwald unser Engagement und unsere alltägliche Arbeit daran orientieren.

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